Georg Elser - Einer aus Deutschland
Der einfache Schreiner GEORG ELSER plant einen Anschlag auf Hitler im Bürgerbräukeller am 8. November 1939. Er baut dazu eine Zeitbombe in die Säule vor dem Rednerpult zu den Feierlichkeiten des Putschversuches der Nazis. Das Attentat misslingt, weil Hitler die Veranstaltung 10 Minuten früher als von Elser geplant, verlässt. Georg Elser wird an der Schweizer Grenze festgenommen und kommt in Untersuchungshaft… – „Brandauers Kinoregiedebüt – nicht zuletzt eine unprätentiöse, hocheffiziente Studie in Sachen Suspense.“ CLAUS PHILIPP
„Geschichten interessieren mich. Ich bin neugierig auf Texte, die ich auf die eine oder andere Weise lebendig mache. Ob als Regisseur oder Darsteller, ist nicht entscheidend.“ KLAUS MARIA BRANDAUER
Klaus Maria Brandauer, Brian Dennehy, Rebecca Miller, Elisabeth Orth, Nigel le Vaillant u.v.m.
ÜBER DEN FILM

„Sieben Minuten“
Klaus Maria Brandauers Thriller „Georg Elser
Bert Rebhandl*
Einer muss es doch machen“: Der Tischler und Uhrmacher Georg Elser, der am 8. November 1939 mit dem Versuch scheiterte, Adolf Hitler durch einen Sprengstoffanschlag zu töten, handelte aus der Überzeugung heraus, dass Deutschland vor seinem „Führer“ gerettet werden musste.
Er plante seine Tat von langer Hand. Jährlich hielt Hitler im Münchner Bürgerbräukeller eine Rede zum Gedenken an einen Putschversuch der NSDAP, dessen Scheitern die Partei nach der Machtübernahme zu einer ersten Bewährungsprobe umdeutete. Georg Elser machte sich von den Örtlichkeiten ein genaues Bild und baute dann in langwieriger Arbeit eine Bombe, die auch tatsächlich zum geplanten Zeitpunkt explodierte und die Decke des Saals zum Einsturz brachte. Hitler hatte jedoch seine Rede wenige Minuten davor beendet und war nicht mehr im Bürgerbräukeller. Georg Elser wurde auf dem Weg in die Schweiz an der grünen Grenze aufgegriffen. In seiner Tasche fand sich Material, das ihn mit dem Anschlag in Verbindung brachte. Er legte ein Geständnis ab, und bestand darauf, dass er allein gehandelt hatte. 1945 wurde er, wenige Tage vor der Befreiung, auf ausdrückliche Anordnung Heinrich Himmlers im Konzentrationslager Dachau ermordet. „Kein Denkmal erinnert an ihn“, heißt es am Ende des Films Georg Elser – Einer aus Deutschland von Klaus Maria Brandauer.
Der berühmte Schauspieler ist nicht nur der Regisseur, sondern auch der Star in dieser Koproduktion mit internationaler Besetzung.
„Brandauers Elser ist ein ruhiger Mann, ein genauer Betrachter der Verhältnisse in Deutschland.“
Brandauers Elser ist ein ruhiger Mann, ein genauer Beobachter der Verhältnisse in Deutschland. Er zieht in ein Zimmer in einem Hinterhof, aus dem gerade eine jüdische Familie weggebracht wird. Die Nationalsozialisten spielen sich unerträglich auf. In einer drastischen Szene wird Elser auf einer Wirtshaustoilette von einem SA-Mann drangsaliert, weil er den Hitlergruß verweigert. Brandauer folgt einem Roman von Steven Sheppard. Die historischen Freiheiten sind der Thrillerform geschuldet: Elser ist auch im Film ein Einzeltäter, der seinen Entschluss geduldig vorbereitet. Er lernt dabei die Kellnerin Anneliese kennen, die er nicht einweiht, die er aber kurz vor dem Attentat in Sicherheit bringen muss. Und er macht den Gestapo-Offizier Wagner (Brian Dennehy) auf sich aufmerksam, der in letzter Minute die Zusammenhänge begreift.
Er kann das Attentat nicht mehr verhindern, aber die Ergreifung Elsers bewerkstelligen – all diese Spannungselemente sind den historischen Tatsachen hinzugefügt. Nach dem Krieg wurde darüber gestritten, ob Georg Elser in geheimem Auftrag gehandelt habe. In der Darstellung von Brandauer wird er zum populären Helden, der einfach die richtigen Schlüsse zieht und es nur um „sieben Minuten“ (so der Titel der englischen Fassung) versäumt, den Zweiten Weltkrieg zu beenden, den Deutschland gerade erst begonnen hatte.
*Ständiger Mitarbeiter des Standard; lebt und arbeitet in Berlin
Geschichten interessieren mich. Ich bin neugierig auf Texte, die ich auf die eine oder andere Weise lebendig mache. Ob als Regisseur oder Darsteller, ist nicht entscheidend.
KLAUS MARIA BRANDAUER
Der Zerrissene
Der Star als Regisseur: Klaus Maria Brandauer
Bert Rebhandl
Der gefeierte Bühnenschauspieler Klaus Maria Brandauer hat sich in seinen Filmen immer wieder mit dem Nationalsozialismus und den Pathologien des 20. Jahrhunderts auseinandergesetzt. In einer Trilogie unter der Regie von István Szabó spielte er zerrissene Figuren, die sich an die Macht anbiedern und dabei doch glauben, über den Dingen zu stehen.
In der Rolle des Theatermannes Hendrik Höfgen (hinter der eindeutig die historische Figur Gustaf Gründgens erkennbar ist) zeigte Brandauer in Mephisto (1981), wie die Nationalsozialisten die Kulturschaffenden, die nicht ins Exil gegangen waren, zu immer neuen Kompromissen mit dem Regime zwangen, aber auch verführten. Höfgen schließt einen faustischen Pakt, bei dem jedoch nicht die Kunst obsiegt, sondern die Ideologie.
In Oberst Redl (1985) verkörperte Brandauer eine berühmte Figur aus dem habsburgischen Österreich: Als Offizier macht Alfred Redl schnell Karriere, er ist jedoch ein Außenseiter aufgrund seiner Herkunft und seiner Homosexualität. Seine Enttarnung als russischer Spion war ein europäischer Skandal.
Eine ähnliche Problematik wie in Mephisto stand im Mittelpunkt von Hanussen (1988), wiederum unter der Regie von Szabó. Der Illusionist und Wahrsager Eric Jan Hanussen ist eine schillernde Figur, in der sich die Faszination der Nationalsozialisten für irrationale Formen der Welterklärung spiegelt, und wieder ging es um die Frage nach persönlicher Integrität und politischer Manipulierbarkeit.
In dem zwiespältigen Charismatiker Hanussen steckte auch ein heimliches Selbstporträt von Klaus Maria Brandauer, der um seine Wirkung immer gewusst hat. Nicht von ungefähr kam er auch zu der Ehre, einen der vielen prominenten Schurken zu spielen, mit denen es der britische Geheimagent James Bond in der populären Filmreihe zu tun bekommt. In Never Say Never Again trat Brandauer als Maximilian Largo auf, der die Welt in gewohnter Manier an den Rand des nuklearen Abgrunds bringt. In dem großen Hollywood-Hit Jenseits von Afrika konnte er seine Verführerqualitäten an Robert Redford messen, seinem Nebenbuhler um die Gunst einer von Meryl Streep gespielten dänischen Schriftstellerin in der afrikanischen Savanne.
Im Grunde ist Brandauer jedoch immer ein europäischer Star geblieben, ein Grandseigneur des Burgtheaters, wo er den Hamlet spielte, und eine verlässliche Größe in internationalen Prestigeproduktionen des Kinos und Fernsehens wie Rembrandt (1999) oder der Bibel-Adaption Jeremias, in der er den legendären König Nebukadnezar gab. Zuletzt konzentrierte Brandauer sich verstärkt auf die Regie: In Berlin brachte er im revitalisierten Admiralspalast die Dreigroschenoper von Brecht auf die Bühne, mit dem Punkidol Campino von den Toten Hosen in der Hauptrolle. Auf die Frage nach seinen Plänen antwortete er während der Proben einmal: „Ich strebe nach gar nix, denn meine beruflichen Sehnsüchte sind vollkommen in Erfüllung gegangen, entgegen meinen kühnsten Träumen.“










