Glaube und Heimat
Zerrissen ist ein Volk, verfolgt werden die Andersdenkenden: ein Edikt des Kaisers befiehlt die Vertreibung der Protestanten aus Österreich und eine brutale Hetzjagd stellt sie vor die unerbittliche Wahl, sich dem Willen und Glauben der Obrigkeit zu unterwerfen oder die eigene Heimat zu verlassen. Nicht nur die Glaubensfrage, auch Angst und Misstrauen zerreißen nun die Familienbande: Die Familie des alten Rott ist gespalten. So brutal das Vorgehen des „Wilden Reiters“ ist, der im Auftrag der R egierung allen Lutheranern den Tod bringt, so verzweifelt klammert sich der alte Rott trotzdem an den eigenen Besitz. Doch selbst die Toten haben in diesem Land keine Heimat mehr: Die alte Sandpergerin wird als Protestantin auf dem Schindanger verscharrt. Als Rott dies erfährt, ist er endlich bereit, Hab und Gut aufzugeben und woanders ein neues Leben zu beginnen. Sein Sohn Christian zieht mit, muss aber aufgrund der politischen Weisung den eigenen kleinen Sohn zurücklassen. 1910 in Wien uraufgeführt und eines der erfolgreichsten Bühnenstücke seiner Zeit, erzählt „Glaube und Heimat“ heute, am Beginn eines neuen Jahrtausends, exemplarisch von unserem Umgang mit dem Fremden: ein apokalyptischer Bilderbogen von brutaler Ausgrenzung und Vertreibung.
Aufzeichnung aus dem Burgtheater 2001
Werner Wölbern, Michael Weber, Martin Schwab, Sylvie Rohrer, Agnes Riegl, Bibiana Zeller, Ignaz Kirchner, Hilke Ruthner, uvm.
Bühne: Martin Zehetgruber
Kostüme: Heide Kastler
Musik: Bert Wrede
Licht: Reinhard Traub
Dramaturgie: Marion Tiedtke






