Ritter, Dene, Voss
Aufzeichnung aus dem Akademietheater 1987. Eine Koproduktion mit den Salzburger Festspielen.
Drei Wiener „Cottagegeschöpfe“, Geschwister und Erben eines Großindustriellen: Ludwig (Gert Voss) hat sich der Philosophie verschrieben und forscht nach nie gedachten Gedanken – in England, in Norwegen und zuletzt im berühmten Wiener Sanatorium Steinhof. Seine beiden Schwestern sind Mehrheitsaktionärinnen des Josefstädter Theaters in Wien und selbst Schauspielerinnen: Die jüngere (Ilse Ritter) hat es dabei zu größeren Engagements gebracht, die Begabung der älteren (Kirsten Dene) reicht nur für kleine und kleinste Rollen. Umso mehr fühlt sie sich für die Familie und insbesondere für ihren Bruder verantwortlich und hat Ludwig (gegen dessen Wunsch) aus der psychiatrischen Anstalt nach Hause geholt. Vor, während und nach dem Mittagessen im Speisezimmer der feudalen Döblinger Villa spielen sich nun – und vermutlich nicht zum ersten Mal – die alltäglichen Katastrophen einer reichen, exzentrischen Familie ab. Die Geschwister, meint Ludwig, haben „nie zusammengepasst“ und sind dennoch aneinander gekettet: aus Furcht vor Einsamkeit, Abhängigkeit und inzestuösem Begehren. Doch bei Thomas Bernhard führen die Ungeheuerlichkeiten menschlicher Beziehungen nicht mehr zur Tragödie, sondern geradewegs zur Groteske – sofern die dunklen Familiengeheimnisse nicht überhaupt unter den Tisch gekehrt werden.
Gert Voss, Kirsten Dene, Ilse Ritter, uvm.
Bühnenbild, Kostüme: Karl-Ernst Herrmann
Mitarbeit: Katrin Brack
Dramaturgie: Vera Sturm






