Die Migrantigen
Marko und Benny, zwei Wiener mit sogenanntem „Migrationshintergrund“, sind vollständig integriert. So sehr, dass sie kaum noch als fremd wahrgenommen werden – wären da nicht Bennys schwarze Haare. Als am Rudolfsgrund, einem ethnisch durchmischten Vorstadtviertel, Protagonisten für eine TV-Dokuserie gesucht werden, geben sie sich als kleinkriminelle Migranten aus, die es faustdick hinter den Ohren haben … Eine politisch unkorrekte Komödie über moderne Klischees, falsche Identitäten und „echte“ Ausländer.
„Hundsgemein, scharfsinnig, mutig!“ ROLLING STONE
Faris Rahoma, Aleksandar Petrović, Doris Schretzmayer, Daniela Zacherl, Zijah A. Sokolović, Mehmet Ali Salman, Maddalena Hirschal u.v.m.
ÜBER DEN FILM

Die Übertschuschn
Arman T. Riahis Komödie „Die Migrantigen“
Dorian Waller*
Kann man es mit der Integration auch ein Stück übertreiben? Was ist das alles überhaupt: Integration, Assimilation, Inklusion? Und ist vielleicht alles nur eine Frage des jeweiligen Blickwinkels? Benny und Marko kommen bei ihren Anpassungsverrenkungen auf jeden Fall ganz schön durcheinander. Dabei, und das ist der besondere Witz von Arman T. Riahis Komödie Die Migrantigen, wollen die beiden gar nicht als „echte“ Österreicher wahrgenommen werden, sondern als die Übrtschuschen schlechthin.
Benny (Faris Endris Rahoma) träumt von einer Schauspielkarriere, wird aber nur als Taxler oder Kleinkrimineller typengecastet. Sein Kumpel Marko (Aleksandar Petrović) ist auch als werdender Vater noch ein Bilderbuch-Bobo, der das Geld, das seine Werbeagentur nicht abwirft, bevorzugt in Fahrradmagazine investiert.
Als die Fernsehredakteurin Marlene Weizenhuber (Doris Schretzmayer) auf der Suche nach Material für eine möglichst abgründige Doku-Serie Bennys und Markos Heimatgrätzl, den fiktiven Rudolfsgrund, durchforstet, wittern die beiden ihre Chance auf Ruhm und Geld.
Unter den Pseudonymen Omar („wie Omar Sharif aus Ägypten“) und Tito („wie Tito aus Jugo“) geben die beiden die wilden Migranten, die mit halbvollen kriminellen Geschäften den Weg vom Bordstein ganz hinauf zur Skyline gehen wollen. Das einzige Problem für die Möchtegern-Moruks besteht darin, dass sie vom Leben der harten Burschen, die sie gerne verkörpern würden, nicht mehr Ahnung haben als die durchschnittliche Hofratswitwe aus der Josefstadt.
„Wie lustvoll dabei Klischees persifliert, gebrochen und in ihr Gegenteil verkehrt werden, das sucht wirklich seinesgleichen.“
Das Drehbuch, das Riahi, Rahoma und Petrović aus der nie ins Laufen gekommenen TV-Serie Neue Wiener entwickelten und das bald wohl auch auf den Sommerbühnen des Landes für Heiterkeit sorgen sollte, dreht mit kindlicher Freude die bald in Schwung gekommene Eskalationsschraube weiter.
Benny und Marko schlittern durch die Fettnäpfe, dass es nur so eine Freude ist – bis irgendwann auch ihre Freunde wechselweise als Prostituierte oder Drogendealer vor die Kamera müssen und das Ganze schließlich in einer vermeintlichen Mission Impossible, einem Einbruch in das Funkhaus, mündet.
Wie lustvoll dabei Klischees und kulturelle Stereotype persifliert, gebrochen und in ihr Gegenteil verkehrt werden, das sucht in der heimischen Filmkomödie wirklich seinesgleichen. Dass all dies von einer Fernsehkamera ausgelöst und immer wieder aufs Neue befeuert wird, ist da nur ein Detail am Rande.
Mit den Möglichkeiten der Komödie und einem großen Ensemble aus echten Österreichern (Josef Hader), echten Ausländern (Dirk Stermann) und allem, was in einer echten Stadt an Typen dazwischen zu finden ist, schafft es Die Migrantigen, mehr Facetten der politisch so gern ausgeschlachteten Integrationsdebatte zu zeigen als die Diskokugel im Café Bauchstich.
*Lebt als Journalist in Wien.
Hundsgemein, scharfsinnig, mutig!
ROLLING STONE
Klischee und Realität
Karin Schiefer sprach mit Arman T. Riahi über die Motive seiner Komödie.
ZUR PERSON: Arman T. Riahi wurde 1981 im Iran geboren und ist in Wien aufgewachsen. „Die Migrantigen“ ist sein Spielfilmdebüt.
Komödie funktioniert oft über Klischees. Gleichzeitig sollten diese Klischees ja aufs Korn genommen werden. Wie habt ihr die Gratwanderung geschafft?
Riahi: Es ist nie eindeutig. Wir versuchten, uns in der Mitte zu bewegen – eine klare Entscheidung hätte den Film in eine eindeutige Richtung gezwungen, die unserem Zugang die ganze Ambivalenz genommen hätte. Im absurden Setting von Die Migrantigen gibt es viele Levels, die unserer Erfahrung und auch dem Leben anderer Leute mit Migrationshintergrund verhaftet sind. Ich denke an die Vater-Sohn-Beziehung. Wir haben versucht, die Klischees aus unserem Leben in den Film einzubauen und ihnen eine Wahrhaftigkeit zu verleihen. Klischees wurzeln immer in der Wirklichkeit. Man kann mit ihnen sehr übertrieben arbeiten, sodass man sie als unecht erlebt. Man kann Klischees aber auch mit Respekt anfassen.
Hat euch auch der Gedanke motiviert, der österreichischen Komödie eine neue Facette zu verpassen?
Riahi: Wir hatten im Dezember ein sehr erfolgreiches Test-Screening mit mehr als 200 Leuten, das verdeutlicht hat, dass die Menschen mehr als nur eine simple Komödie vertragen. Die Migrantigen ist Unterhaltung, jeder konnte aber für sich Dinge herausfiltern, die für sie oder ihn auch gesellschaftlich, sozial oder politisch relevant waren. Es ist mir als Filmemacher wichtig, ein breites Publikum zu erreichen und den Leuten zu zeigen, dass auch aus Österreich Unterhaltungsfilme kommen können, die für sie auch eine Orientierungsfunktion haben.
Wie vollzog sich der Wechsel vom Schreibtisch zum Set? Haben die Hauptdarsteller auch während der Dreharbeiten sehr intensiv mitgestaltet? Gab es beim Dreh Raum für Improvisation?
Riahi: Die Dialoge haben wir mit manchen Schauspielern überarbeitet, mit anderen haben wir geprobt und geschaut, wie es funktioniert, mit manchen haben wir gar nichts vorbereitet. Mit Rabie Perić, die im Film die Putzfrau spielt, haben wir die Szene, wo sie vorgibt, Titos Mutter zu sein, einmal geprobt. Ich liebe es, wenn Schauspieler improvisieren. Plötzlich kommt das spontane Genie der Leute raus. Wir haben die Szene zwei- oder dreimal gedreht, dann konnte niemand mehr arbeiten, weil wir so lachen mussten. Das sind Glücksmomente. Ich wollte authentische Menschen im Film haben, ihr Lokalkolorit und vor allem ihre Sprache, die mir besonders wichtig ist.
Von Anfang an ist auch das Objekt Kamera im Bild. Das Schaffen von Bildern und die Hinterfragung ihrer Wirkung ist von Anfang an ein Thema. Wie wichtig ist Ihnen dieser Subtext Ihrer Komödie?
Riahi: Es ist mehr als ein Subtext. Wie sehr sind wir alle daran beteiligt, welches Bild von Menschen mit Migrationshintergrund in der medialen Wahrnehmung dominiert? Die Geschehnisse im Film sind ein Platzhalter für Situationen, wo Menschen auf Schlagzeilen reduziert werden. Wir leben in einer Zeit, wo Medien Profit machen müssen. Das ist nichts Neues, es wirkt sich dennoch auf das Bild der Menschen und die Berichterstattung über sie aus. Die Fernsehsendung im Film steht für Methoden, wie heute nach „Storys“ gesucht wird. Darin verstehe ich den Film als ganz offene Medienkritik.
Das Interview stammt von der Homepage der Austrian Film Commission










