Indien
Der Österreichische Film
Edition#7

Indien

Paul Harather /// 1993 /// Komödie

86 min • Altersfreigabe: 6 • HD
Sprache: Deutsch
UTs: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch

„Trübe schimmert das Öl auf ewiggleichen Schnitzeln, deren Güte es zum Heil des heimischen Gastronomiegewerbes zu inspizieren gilt. Wiederkäuend mahlen die Kiefer des dafür zuständigen Beamten Heinzi Bösel (Josef Hader), während sein neuer Kollege Kurt Fellner (Alfred Dorfer) mit Salattellern vorlieb nimmt oder verängstigte Wirtsleute wegen nicht angezeigter Notausgänge terro- risiert. Das Melodram einer Arbeitsgemeinschaft, die Komödie einer Freundschaft, der auch der Hodenkrebs nichts anhaben kann: INDIEN, 1993 fürs Kino inszeniert von Paul Harather – Kabarett zum Tränen lachen und weinen. Fatal, wenn Bösel böse wird: ,enen schreib i jetzt a Bewertung – die ham nächstes Jahr nur mehr Flüchtlinge.‘“ CLAUS PHILIPP

„Ein Duo, wie es sich Thomas Bernhard und Helmut Qualtinger in einer gemeinsam durchsoffenen Nacht hätten ausdenken können.“ DER SPIEGEL

Besetzung  

Josef Hader, Alfred Dorfer, Maria Hofstätter, Roger Murbach, Wolfgang Böck, Rupert Henning, Ranjeet Singh u.v.m.

Regie  

Paul Harather
Drehbuch  

Alfred Dorfer, Josef Hader, Paul Harather
Kamera  

Hans Selikovsky

DVD Edition # 7

Indien (1993) - Komödie | watchAUT Film

Wir Beilagenesser

Das Leben – eine Kostprobe namens „Indien“

Bert Rebhandl*


Zwei Männer auf großer Fahrt durch Österreich: Herr Fellner und Herr Bösel, zu Beginn keineswegs gute Freunde, testen Gasthäuser und Fremdenverkehrsbetriebe. Sie notieren, wie lange es dauert, bis das Schnitzel kommt. Sie beanstanden, wenn das Wiener Schnitzel nicht vom „Kalbernen“ ist. Und wenn sie schon ein wenig in Stimmung sind, erkundigen sie sich bei einem verdutzten Hotelier nach einem „Saunag’lander“, einer Vorrichtung, an die sich ältere Herrschaften lehnen können, wenn sie beim Aufguss kollabieren.

Nach Indien kommen Fellner und Bösel nur, weil ihre Provinztour im Grunde die ganze Welt enthält – kulinarisch und existenziell. „Wo i mi net so reiß, ist die chinesische Küche“, gesteht Bösel. Fellner hingegen weiß, dass die Japaner die Suppe zum Schluss essen, und er nimmt sich nicht so wichtig, da er an Wiedergeburt glaubt.

Indien beruht auf einem Theaterstück der beiden Hauptdarsteller Josef Hader und Alfred Dorfer. Die Verfilmung durch Paul Harather stand an der Wiege des so genannten „Kabarettkinos“, der kommerziell so erfolgreichen Übertragung von Kleinkunst auf große Leinwände. Der ganze Reichtum von Indien ist zutiefst österreichisch, und gründet wesentlich auf Sprache – was immer dem sehr betulichen Fellner und dem leicht verwahrlosten Bösel begegnet, wird einer kleinen Etymologie unterzogen. Warum denkt man eigentlich über den Ursprung von Namen wie „Sauce Tartare“ so selten nach? Und warum denkt Fellner beim Namen Bösel an einen slawischen Ursprung, und nicht an das nahe Liegende? 


„Warum denkt man eigentlich über den Ursprung von Namen wie ,Sauce Tartare‘ so selten nach?“


Fellner („Danke, ganz lieb!“) und Bösel („D’ Wirt san alle Trotteln“) überwinden in Indien die größte denkmögliche Differenz: die zwischen Männern, die einander zuerst nicht leiden und dann nicht mehr ohne einander sein können. Das geht natürlich sentimental, und macht aus ihnen veritable Philosophen. „Da kannst gar nix machen, wenn’st einmal was bist“ (Bösel). Fellner weiß einen Ausweg: den Tod, die Rückkehr in die Materie, aus der er hervorgegangen ist.

Auf subversive Weise reformiert Indien das österreichische Klischee von der Verliebtheit in den Tod. Wenn eine Wiedergeburt denkbar ist (als Zeitungskolporteur?), dann heißt es vorsichtig sein mit der Mieselsucht. Wichtiger noch: die Reinkarnation ist ein globales Phänomen, sie kompliziert also sogar die Ausländerfeindlichkeit und vereinfacht das Zusammenleben. Jeder kann ja alles sein.

Der mutmaßliche Slawe Bösel, der „in dem Sinn kein Beilagenesser ist“ und sich um das Süße nicht reißt, überlebt diesen Film nur, indem er ein neuer Mensch wird. Das Nasi Goreng kauft er zwar noch immer fertig, aber den Reis macht er selbst. Sein Freund Fellner geht ihm am Ende voraus, in die große, weite Welt des Unbekannten, die Bösel hinter der zugemüllten Windschutzscheibe seines Autos niemals alleine entdeckt hätte.


*Ständiger Mitarbeiter des Standard, lebt als freier Journalist in Berlin.




Ein Duo, wie es sich Thomas Bernhard und Helmut Qualtinger in einer gemeinsam durchsoffenen Nacht hätten ausdenken können.


DER SPIEGEL

„Danke, ganz lieb!“

„Indien“ auswendig lernen: Einige der schönsten Zitate aus dem und zum Film.


„De Wirt san olle Trottln“ (Heinz Bösel)

„Das ist mein erstes Wurstsemmerl seit über einem Monat – bin gespannt, wie mein Körper reagiert.“ (Kurt Fellner)

„Ich freu mich schon auf den Sommer, ein bisschen draußen sitzen, herumtollen, tanzen... obwohl, ich glaub, so richtig den Rhythmus im Blut haben eh nur die Neger.“ (Kurt Fellner)

(Kurt Fellner:) „Soll ich mich verbrennen lassen? Das Problem ist, ich hab so Platzangst. Gefühlsmäßig ist einer Asche in einer Urne weniger eng als einer Leiche in einem Sarg.“ – (Heinz Bösel:) „Naja, das ist schwer zu sagen, wie man sich dann fühlt als Asche.“

„Glauben S’, das ist leiwand, wenn S’ so eine ältere Frau liegen haben, vor einem, und überall wos’d hingreifst, wie ein kaltes Griaßl (Grießkoch), wäh!“ (Heinz Bösel)

„... Herr Bösel, das ist Ihr Niveau, wir können uns auch gegenseitig die Nasenhaare herausreißen, des hams vielleicht während der Völkerwanderung g’macht, aber heitzutag gibt’s andere Methoden als ein 5000-Schilling-Sakko zu ruinieren.“ (Kurt Fellner)

„Danke, ganz lieb!“ (Kurt Fellner)

„I mach jetz’ die Kiwidiät - alles außer Kiwi (lacht)“ (Heinz Bösel)

„Na daunn müss ma natürli ollas gaunz genau untersuch’n – wo is da Weinkölla?“ (Heinz Bösel)

„I bin a jetz ned so da Beilagnessa“ (Heinz Bösel, vor einem Teller mit zwei Wiener Schnitzeln und einer Zitrone)

(Kurt Fellner:) „Plankton? Was könnt’ das sein? Ein Waschmittel, ein Verhütungsmittel ...?“ - (Heinz Bösel:) „Gengan S’ scheißn!“

„Ich vertrete ja die Theorie, dass das Essen sehr stark mit der Landschaft in Verbindung steht. Dort wo die Landschaft eher karg ist, gibt es viel Gegrilltes. Bei uns is die Landschaft etwas üppiger, deswegen die vielen Mehlspeisen. In Indien zum Beispiel, die essen überhaupt nur Reis. Die sitzen auf der Straße und essen Reis, lachen dabei, andere verhungern. – Das muss irgendwie eine ganz eigenartige Landschaft sein.“ (Kurt Fellner)

„Hean’ S’ Meista, wos mach ma do? Dea Soizstreua woar verpickt midd Maggi. Und vom frischen Hirschragout lieg’n dee Dosn im Mistkübl? Und wann Se a Weana Schnitzl aaf da Koatn ham, muaß des a koibans sei. Oiso, wos mach ma?“ (Heinz Bösel, auf eine Flasche Landwein schielend).

(Dank an (http://www.wikipedia.org)!!!)


Standard: Wenn Sie sich heute zusammensetzen würden, um wieder ein Stück wie „Indien“ zu schreiben – wie könnte das ausschauen?

Josef Hader: Der größte Unterschied läge wohl darin, dass die Welt damals noch eher „in Ordnung“ war als heute. Die Charaktere konnten sich, wie verquer auch immer, noch mit ihren Befindlichkeiten auseinandersetzen. Heute wären sie viel mehr mit Problemen von außen konfrontiert.

Alfred Dorfer: Und sie hätten vermutlich weniger Text. Weniger Zeit. Mehr Unsicherheit. Und weniger Raum.

Hader: Ein Roadmovie wäre heutzutage wahrscheinlich schon, vom Computer aufzustehen, in die Küche zu gehen, den Kühlschrank aufzumachen . . .

Dorfer: . . . drei Telefonate . . .

Hader: (lacht) Das würde natürlich auch einen billigeren Film ermöglichen. Das gefiele mir schon wieder ganz gut. (Claus Philipp)



Trailer 2006 "Der Österreichische Film. Edition Der Standard"