Muttertag
Muttertag - neu abgestastet in Hi-Definition & Dolby Digital 5.1!
Na endlich: Ein Stück österreichischer Filmgeschichte kehrt in neuem Glanz zurück. MUTTERTAG, der Kultfilm von 1993, liegt erstmals in digital restaurierter Form vor und lädt dazu ein, eine der bissigsten und zugleich treffsichersten Satiren auf das Wiener Kleinbürgertum neu zu entdecken.
Mit pointiertem Humor und der unverkennbaren Regie von Harald Sicheritz entstand ein ebenso bissiges wie liebevoll-böses Porträt eines Feiertags, der alles andere als harmonisch verläuft. Was als Tag der Blumen und Höfl ichkeiten beginnt, eskaliert zu einem schonungslos überzeichneten Abbild familiärer und gesellschaftlicher Abgründe.
MUTTERTAG ist Kult, Zeitdokument und böse Komödie zugleich – ein Film, der bis heute nichts von seiner Wirkung verloren hat.
„I sog’s glei – i woar’s net!“ OPA NEUGEBAUER
Alfred Dorfer, Roland Düringer, Eva Billisich, Andrea Händler, Reinhard Nowak, Willi Resetarits, I Stangl, Hanno Pöschl, Herwig Seeböck, Lukas Resetarits, Roland Neuwirth, Fritz Muliar, Niki List u.v.m.
ÜBER DEN FILM

„Z’erst wird g’wohnt“
Die makabre Kabarett-Verfilmung „Muttertag“
Bert Rebhandl*
Schlabarett waren die erste Super Group des österreichischen Kabaretts. Alfred Dorfer, Roland Düringer, Andrea Händler und Reinhard Nowak landeten 1991 mit Muttertag einen Hit. Dann starteten die Künstler Solokarrieren, was kein Hindernis war, für die Verfilmung des makabren Stücks unter der Regie von Harald Sicheritz alle und auch zahlreiche Freunde und Prominente neu zu versammeln.
Der Muttertag ist der wichtigste Feiertag im Jahreskreis der österreichischen Familie. Bei der Familie Neugebauer, wohnhaft in einer Terrassenwohnung im Schöpfwerk in Meidling, stehen gleich drei Generationen Männer der Mama (Andrea Händler) gegenüber:
Der leicht senile „Papa“ bzw. „Opa“ (Roland Düringer), der nervöse Papa (Reinhard Nowak), und der Bub Mischa (Alfred Dorfer), der seiner „Bubenschwierigkeiten“ wegen in die gemischte Gruppe der Jungschar kommt.
Auch bei den Neugebauers ist alles eine Frage der Prioritäten: Soll (mit den Ersparnissen des Opas) ein Auto angeschafft werden, oder doch zuerst Möbel? „Z’erst wird g’wohnt, dann wird g’fahrn“, bescheidet die Mama. In einer Siedlung, in der viele Menschen auf kleinem Raum wohnen, geht vieles drunter und drüber. Stadtindianer terrorisieren die Bevölkerung, heben aber dem Opa brav das Sparbuch auf, wenn er es am Hugo-Breitner-Denkmal liegen lässt. Im Drogeriemarkt arbeitet ein Eisbär (Herwig Seeböck) als Ladendetektiv. Er wird mit einem Hustinettenbär verwechselt und während einer Amtshandlung erschossen.
„Jede Szene steuert auf eine Pointe zu. Der Feiertag führt unweigerlich zur Eskalation. „Es ist alles net wahr.“ Irgendwie aber doch.“
Der Postbote stellt täglich eine neue Rekordrunde auf, überfährt dabei aber gelegentlich ein Kind, und vergisst auch einmal die Zustellung einer Spenderniere.
Die größte Verwirrung stiftet Evelin Schöbinger (Eva Billisich), die sich auf Rollerblades und in Hotpants durch das Schöpfwerk bewegt. Man sieht ihr nicht sofort an, dass sie im Kirchenchor die wichtigste Stimme ist. Evelin Schöbinger unterhält Beziehungen zu mehreren Männern in der Gegend, unterrichtet aber auch Frauen wie Trude Neugebauer im Bauchtanz. Sie ist die Femme fatale der Gegend. Die Halbstarken wählen sie für ihre Aufnahmsprüfung in die „Bande“ – wer dazugehören will, muss öffentlich obszöne Gesten machen. Nach der Abendmesse, vor der Kirche.
Bei Schlabarett spielen alle Stars mehrere Figuren. Roland Düringer tritt in nicht weniger als sieben Rollen auf, besonders markant ist er als osteuropäischer Importseelsorger. Alfred Dorfer darf seine Defizite als ewiges Kind in anderen Rollen als Liebhaber und Polizist kompensieren. Auch Reinhard Nowak, der arme Hund in der Partie, hat einige Nebenrollen von sich selbst. Jede Szene steuert auf eine Pointe zu. Der Feiertag führt unweigerlich zur Eskalation. Wiener Wunder, die zwischendurch immer wieder ein wenig für musikalischen Schwung sorgen, geben aber auch Entwarnung: „Es ist alles net wahr.“ Irgendwie aber doch. Kabarett eben.
*Ständiger Mitarbeiter des Standard, lebt und arbeitet in Berlin.
I sog’s glei – i woar’s net!
OPA NEUGEBAUER
„... is eh für’n Hugo“
„Muttertag“ zum Nachspielen: Ein paar der härteren Dialoge aus dem Drehbuch.
Edwin
Blumenerzeuger miasst ma sein, des Wochenend. Die verdienen sich wieder dumm und dämlich.
Trude
Eigentlich is eh schad drum. Sie gehn eh glei ein. Und so richtig a Freud hob i a ned damit.
Edwin
Kriagst heuer eh kane.
Mischa
Muttertag is eh für’n Hugo.
Trude
Pass einmal auf: Per Hugo sind mir noch lange nicht, ja. Schau lieber, dass du mit dem Essen fertig wirst.
1. Rentner
Pfau, a Niern!
2. Rentner
I brauch eh ane! Is a rechte?
3. Rentnerin
Wurscht! Loss das verkehrt einbaun.
Is wos?
Mischa
Super. Schau, Mama!
Trude
Spinnst du, sog amoi? Es gibt nix Ärgeres, als waun wer sieht, dass du wos gseng host! Merk da des. Es gibt Sochn, die sieht ma net, die hört ma net und reden tuat ma scho goa net drüber.
Pospischil
Amoi Aktivschaum, Hochdruckwäsche mit Felgen Spezial, Unterbodenspülung und Hochglanzpolitur. Und natürlich Innenreinigung mit Cockpitspray. Is des eh mit Fließwachs?
Tankwart
Na, selbstverständlich! Sogoa epoxyverstärkt!
Und wos kriagn Sie?
Edwin
Einmal normal, bitte.
Michaela
Na, Kinder, ihr habt’s doch sicher schon eure Muttertagsgeschenke vorbereitet?
Beatrix
Ich hab meiner Mutti ein Seidentuch bemalt.
Korksi
Na, da wird deine Mutti aber keine Freude mit dir haben, wenn du ihre Seidentücher bemalst.
Detektiv
Also. Name, Adresse?
Junger Vater
Heast, do brauchst net frogn. Des is a Ausländerin, de waß net, wo s’ wohnt.
Detektiv
Mischen Sie sich nicht ein.
Trude
Bitte entschuldigen Sie, mir is das schrecklich peinlich. Ich tu so etwas normalerweise nicht.
Junger Vater
Nau, des wird jo imma besser. Net amoi a Ausländerin, owa geht fladern.
Detektiv
So. Ich habe Sie bereits abgemahnt, sich nicht einzumischen, und jetzt mischen Sie sich schon wieder ein!
Junger Vater
Pudl di net auf, Hustinettenbär.
1. Polizist
Hean S’, wolln S’ mi pflanzen? No dazua in der Mittagspause? Na guat, mia kumman. Im Drogeriemarkt ham’s an Eisbärn daschossn.
2. Polizist
Do miassma oba aunzahn. Sunst brennt ma’s Bistro-Menü an.
Chauffeur
Wohin soll i foan, Herr Bürgermeister?
Bürgermeister
Mir ist alles egal. Vielleicht nach Kuba?
Architekt
Von mir aus, oba uma zehne muass i bei der Mama sein.










