Muttertag
Der Österreichische Film
Edition#42

Muttertag

Harald Sicheritz /// 1993 /// Komödie

95 min • Altersfreigabe: 12 • HD
Sprache: Deutsch
UTs: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch

Muttertag - neu abgestastet in Hi-Definition & Dolby Digital 5.1!

Na endlich: Ein Stück österreichischer Filmgeschichte kehrt in neuem Glanz zurück. MUTTERTAG, der Kultfilm von 1993, liegt erstmals in digital restaurierter Form vor und lädt dazu ein, eine der bissigsten und zugleich treffsichersten Satiren auf das Wiener Kleinbürgertum neu zu entdecken.

Mit pointiertem Humor und der unverkennbaren Regie von Harald Sicheritz entstand ein ebenso bissiges wie liebevoll-böses Porträt eines Feiertags, der alles andere als harmonisch verläuft. Was als Tag der Blumen und Höfl ichkeiten beginnt, eskaliert zu einem schonungslos überzeichneten Abbild familiärer und gesellschaftlicher Abgründe.

MUTTERTAG ist Kult, Zeitdokument und böse Komödie zugleich – ein Film, der bis heute nichts von seiner Wirkung verloren hat.

„I sog’s glei – i woar’s net!“ OPA NEUGEBAUER

Besetzung  

Alfred Dorfer, Roland Düringer, Eva Billisich, Andrea Händler, Reinhard Nowak, Willi Resetarits, I Stangl, Hanno Pöschl, Herwig Seeböck, Lukas Resetarits, Roland Neuwirth, Fritz Muliar, Niki List u.v.m.

Regie  

Harald Sicheritz
Drehbuch  

Harald Sicheritz, Roland Düringer, Alfred Dorfer, Peter Berecz
Kamera  

Helmut Pirnat

Mediabook UHD/BD/CD + Booklet

Muttertag (1993) - Komödie | watchAUT Film

„Z’erst wird g’wohnt“

Die makabre Kabarett-Verfilmung „Muttertag“

Bert Rebhandl*


Schlabarett waren die erste Super Group des österreichischen Kabaretts. Alfred Dorfer, Roland Düringer, Andrea Händler und Reinhard Nowak landeten 1991 mit Muttertag einen Hit. Dann starteten die Künstler Solokarrieren, was kein Hindernis war, für die Verfilmung des makabren Stücks unter der Regie von Harald Sicheritz alle und auch zahlreiche Freunde und Prominente neu zu versammeln.

Der Muttertag ist der wichtigste Feiertag im Jahreskreis der österreichischen Familie. Bei der Familie Neugebauer, wohnhaft in einer Terrassenwohnung im Schöpfwerk in Meidling, stehen gleich drei Generationen Männer der Mama (Andrea Händler) gegenüber:

Der leicht senile „Papa“ bzw. „Opa“ (Roland Düringer), der nervöse Papa (Reinhard Nowak), und der Bub Mischa (Alfred Dorfer), der seiner „Bubenschwierigkeiten“ wegen in die gemischte Gruppe der Jungschar kommt.

Auch bei den Neugebauers ist alles eine Frage der Prioritäten: Soll (mit den Ersparnissen des Opas) ein Auto angeschafft werden, oder doch zuerst Möbel? „Z’erst wird g’wohnt, dann wird g’fahrn“, bescheidet die Mama. In einer Siedlung, in der viele Menschen auf kleinem Raum wohnen, geht vieles drunter und drüber. Stadtindianer terrorisieren die Bevölkerung, heben aber dem Opa brav das Sparbuch auf, wenn er es am Hugo-Breitner-Denkmal liegen lässt. Im Drogeriemarkt arbeitet ein Eisbär (Herwig Seeböck) als Ladendetektiv. Er wird mit einem Hustinettenbär verwechselt und während einer Amtshandlung erschossen. 


„Jede Szene steuert auf eine Pointe zu. Der Feiertag führt unweigerlich zur Eskalation. „Es ist alles net wahr.“ Irgendwie aber doch.“


Der Postbote stellt täglich eine neue Rekordrunde auf, überfährt dabei aber gelegentlich ein Kind, und vergisst auch einmal die Zustellung einer Spenderniere.

Die größte Verwirrung stiftet Evelin Schöbinger (Eva Billisich), die sich auf Rollerblades und in Hotpants durch das Schöpfwerk bewegt. Man sieht ihr nicht sofort an, dass sie im Kirchenchor die wichtigste Stimme ist. Evelin Schöbinger unterhält Beziehungen zu mehreren Männern in der Gegend, unterrichtet aber auch Frauen wie Trude Neugebauer im Bauchtanz. Sie ist die Femme fatale der Gegend. Die Halbstarken wählen sie für ihre Aufnahmsprüfung in die „Bande“ – wer dazugehören will, muss öffentlich obszöne Gesten machen. Nach der Abendmesse, vor der Kirche.

Bei Schlabarett spielen alle Stars mehrere Figuren. Roland Düringer tritt in nicht weniger als sieben Rollen auf, besonders markant ist er als osteuropäischer Importseelsorger. Alfred Dorfer darf seine Defizite als ewiges Kind in anderen Rollen als Liebhaber und Polizist kompensieren. Auch Reinhard Nowak, der arme Hund in der Partie, hat einige Nebenrollen von sich selbst. Jede Szene steuert auf eine Pointe zu. Der Feiertag führt unweigerlich zur Eskalation. Wiener Wunder, die zwischendurch immer wieder ein wenig für musikalischen Schwung sorgen, geben aber auch Entwarnung: „Es ist alles net wahr.“ Irgendwie aber doch. Kabarett eben.


*Ständiger Mitarbeiter des Standard, lebt und arbeitet in Berlin.




I sog’s glei – i woar’s net!


OPA NEUGEBAUER

„... is eh für’n Hugo“

„Muttertag“ zum Nachspielen: Ein paar der härteren Dialoge aus dem Drehbuch.


Edwin

Blumenerzeuger miasst ma sein, des Wochenend. Die verdienen sich wieder dumm und dämlich.

Trude

Eigentlich is eh schad drum. Sie gehn eh glei ein. Und so richtig a Freud hob i a ned damit.

Edwin

Kriagst heuer eh kane.

Mischa

Muttertag is eh für’n Hugo.

Trude

Pass einmal auf: Per Hugo sind mir noch lange nicht, ja. Schau lieber, dass du mit dem Essen fertig wirst.


1. Rentner

  Pfau, a Niern!

2. Rentner

  I brauch eh ane! Is a rechte?

3. Rentnerin

  Wurscht! Loss das verkehrt einbaun.

Is wos?

Mischa

Super. Schau, Mama!

Trude

Spinnst du, sog amoi? Es gibt nix Ärgeres, als waun wer sieht, dass du wos gseng host! Merk da des. Es gibt Sochn, die sieht ma net, die hört ma net und reden tuat ma scho goa net drüber.


Pospischil

Amoi Aktivschaum, Hochdruckwäsche mit Felgen Spezial, Unterbodenspülung und Hochglanzpolitur. Und natürlich Innenreinigung mit Cockpitspray. Is des eh mit Fließwachs?

Tankwart

Na, selbstverständlich! Sogoa epoxyverstärkt!

Und wos kriagn Sie?

Edwin

Einmal normal, bitte.


Michaela

Na, Kinder, ihr habt’s doch sicher schon eure Muttertagsgeschenke vorbereitet?

Beatrix

Ich hab meiner Mutti ein Seidentuch bemalt.

Korksi

Na, da wird deine Mutti aber keine Freude mit dir haben, wenn du ihre Seidentücher bemalst.


Detektiv

Also. Name, Adresse?

Junger Vater

Heast, do brauchst net frogn. Des is a Ausländerin, de waß net, wo s’ wohnt.

Detektiv

Mischen Sie sich nicht ein.

Trude

Bitte entschuldigen Sie, mir is das schrecklich peinlich. Ich tu so etwas normalerweise nicht.

Junger Vater

Nau, des wird jo imma besser. Net amoi a Ausländerin, owa geht fladern.

Detektiv

So. Ich habe Sie bereits abgemahnt, sich nicht einzumischen, und jetzt mischen Sie sich schon wieder ein!

Junger Vater

Pudl di net auf, Hustinettenbär.


1. Polizist

  Hean S’, wolln S’ mi pflanzen? No dazua in der Mittagspause? Na guat, mia kumman. Im Drogeriemarkt ham’s an Eisbärn daschossn.

2. Polizist

  Do miassma oba aunzahn. Sunst brennt ma’s Bistro-Menü an.


Chauffeur

Wohin soll i foan, Herr Bürgermeister?

Bürgermeister

Mir ist alles egal. Vielleicht nach Kuba?

Architekt

Von mir aus, oba uma zehne muass i bei der Mama sein.



Trailer 2006 "Der Österreichische Film. Edition Der Standard"