Cops
Christoph ist in Ausbildung bei der Polizeispezialeinheit WEGA – ein Alltag zwischen Testosteron, Kampf und Gruppendruck. Als er in vermeintlicher Notwehr auf einen Mann schießt, wird er von seinen Kollegen als Held gefeiert, die Außenwelt reagiert jedoch kritisch. Bald danach beginnt er an Panikattacken und Trauma-Symptomen zu leiden. Während er innerlich mit der Ohnmacht kämpft, die er weder versteht noch begreifen kann, versucht er nach außen hin den Schein des starken Mannes zu wahren, um seinen Helden-Status nicht zu verlieren.
„Was wie ein Polizeithriller in Hollywood-Blockbustermanier beginnt, mündet in eine packende Untersuchung von Autorität, Gruppendruck, Herrschaftsstrukturen in Männergesellschaften." KLEINE ZEITUNG
Laurence Rupp, Anton Noori, Anna Suk, Roland Düringer, Maria Hofstätter, Michael Fuith, Aaron Friesz, Lukas Watzl u.v.m.
ÜBER DEN FILM

Unter „Reserve-Rambos“
Polizeiarbeit als Balanceakt: „Cops“ von Stefan A. Lukacs
David Auer*
Sein Beruf ist seine Berufung: Seit er ein Bub war, wollte er zur Wega. Um, wie er sagt, die Leute vor den „Wahnsinnigen“ zu schützen. Blöd nur, dass er einer Spezialeinheit angehört, die ihren ganz eigenen Wahnsinn produziert. Der Protagonist (Laurence Rupp) mit dem lebenslangen Wunsch, ein Prestigepolizist zu werden, erfährt gleich bei seinem ersten Einsatz, was das heißt. In einer unübersichtlichen Situation erschießt der Neo-Cop einen mit einem Messer fuchtelnden Geisteskranken. Das Trauma sitzt tief, aber als starker Typ, der er gern wäre, gesteht er sich Schwäche nicht ein.
Die posttraumatische Belastungsstörung zeigt sich dennoch in voller Härte, auch an der Heimfront: Seine Hand zittert beim Laden der Waffe, auf Knallgeräusche folgen Panikattacken; von Visionen des Opfers und Impotenz geplagt, bekommt seine Freundin seine Aggressionen zu spüren.
Stefan A. Lukacs drehte 2012 mit einigen der Cops-Schauspieler einen aufrüttelnden Kurzfilm. Anders als in Void rund um den zur Abschiebung verurteilten Bakary J., der von Wega-Kräften gefoltert wurde, steht in Lukacs’ Langfilmdebüt allerdings nicht das Opfer, sondern der Täter im Fokus. Bzw. die Täter. Diese werden in Cops allesamt als „Reserve-Rambos“, wie es einmal im Film heißt, inszeniert, in deren Augen das Kürzel Wega vor allem für „Wir erledigen gerne alles“ steht.
So wie Rambo haben auch die Aggressivos mit Heldenkomplex eine Bürde zu tragen, angefangen beim Vorgesetzten (Anton Noori) und Vaterersatz für „seine Burschen“, die er sich zum toxischen Männerbund erzieht.
„‚Cops‘ ist trotz einiger flott inszenierter Sequenzen kein Actionfilm, sondern ein Plädoyer für eine besonnene Polizeiarbeit.“
Der Körperpanzer, den er mit sich herumschleppt, ist permanent gepeinigt, weshalb er hochdosierte Schmerztabletten wie Zuckerl in sich reinstopft.
Obwohl das Gegenteil der Fall ist, meint der Truppenboss, er sei keine Gefahr, sondern Polizist. Dass Polizei nicht gleichbedeutend mit Gefahr ist, Polizeigewalt also alles andere als ein systemisches Problem ist, unterstreicht Cops mit Nachdruck. Sicherlich, als exekutiver Arm der Staatsgewalt sind die Uniformierten systemtragend, dabei eben aber auch Freund und Helfer. Zu jenen zählt eine idealistische Justizbeamtin, die für das eskalierende Handeln Konsequenzen fordert.
Auch der Vater des Protagonisten (Roland Düringer) ist einer von den Guten. Als Ex-Cop und nunmehr lieber liberaler Schlichter bei Fußballfanaufmärschen meint er zum Sohn, der sich des Problems seiner Einheit bewusst wird, es sei nun „Zeit zum Erwachsenwerden“. Sprich dafür, sich gegen den gefährlichen Ersatzpapa im Job aufzulehnen. Weil: „Die Welt is ka Actionfilm.“
Auch Cops ist trotz einiger flott inszenierter Sequenzen kein Actionfilm, sondern ein problembewusstes Plädoyer für eine besonnene Polizeiarbeit. Der versöhnliche Schluss wiegt den Totschlag am Anfang auf, das Gleichgewicht scheint wiederhergestellt. Ein Akt mit Heilungspotenzial in einem Balanceakt namens Cops.
*Lebt als Autor in Wien.
Bessere Polizeifilme können die Amis auch nicht machen.
WIENER ZEITUNG
„Verständnis erzeugen“
Stefan A. Lukacs im Gespräch mit Karin Schiefer über die Recherche zu „Cops“
ZUR PERSON: Stefan A. Lukacs, geb. 1982, ist Regisseur und Autor.
Schiefer: Wie haben Sie sich in der Recherche von der Wiener Polizei im Allgemeinen, im Besonderen von der Wega ein Bild gemacht?
Lukacs: Ich habe unter anderem eine Woche mit den Polizeischülern am Unterricht an der Sicherheitsakademie teilgenommen. Es war mir sehr wichtig, so viel wie möglich aus erster Hand zu erfahren. Mit den Polizisten zu reden, war eine unerlässliche Sache, möglichst viel selbst auszuprobieren, war mir aber noch wichtiger. Auch in der Vorbereitung der Schauspieler war es ein wesentlicher Punkt, dass sie sich auf diese Welt einlassen: ob das nun bedeutete, dass sie das Strafgesetzbuch lesen, polizeiliches Handeln lernen oder ein Schießtraining machen.
Schiefer: In „Cops“ klingt durch, dass in der Institution Polizei durchaus verschiedene Schulen vertreten sind. Entspricht das auch Ihren Beobachtungen während der Recherche?
Lukacs: Die Polizei ist kein streng hierarchischer Apparat. Es gibt zahlreiche Teilorganisationen, die auch in Konkurrenz zueinander stehen. Dann gibt es wiederum Individuen in den Sektionen, die unterschiedliche Meinungen vertreten und zueinander in Konkurrenz stehen. Es war für mich überraschend und spannend, „linke“ Polizisten kennenzulernen, was gar nicht dem gängigen Klischeebild entspricht. Sie machen natürlich nicht die Mehrheit aus. In Cops werden zwei grundlegend unterschiedliche Richtungen gezeigt – eine Art Community-Policing versus ein militarisiertes Law-and-Order-Policing.
Schiefer: Ging es Ihnen auch darum, von einem System zu erzählen, das für die Inkarnation von Männlichkeit steht? Macht, Waffen, Abhärtung, Heldenträume, Verleugnen von Schwäche und Schmerz, Männerbündelei.
Lukacs: Ja, ganz gewiss. In der Wega gibt es keine Frauen, nicht weil sie davon ausgeschlossen sind, sondern weil verlangt wurde, dass sie exakt die gleichen Aufnahmekriterien erfüllen, die offenbar noch von keiner Frau erreicht wurden. Ich glaube, dass Frauen – wenn auch unausgesprochen – eher unerwünscht sind. Der Männlichkeitsaspekt war für mich sehr wichtig, gerade die Haltung, sich weder Schmerzen noch Schwächen eingestehen zu wollen, spielt eine wichtige Rolle in der Eskalationsspirale, in der es im Film geht. Es gibt auch Polizisten, die sehr offen darüber reden.
Schiefer: Sie versuchen auch, auf die Härte des Berufs und seine psychologischen Herausforderungen einzugehen.
Lukacs: Es war mir sehr wichtig, einen halbwegs ausgeglichenen Film zu machen. Die Polizisten und Polizistinnen sind die Protagonisten dieses Films, daher war es mir auch wichtig, für ihr Verhalten Verständnis zu erzeugen. Man muss sie nicht sympathisch finden, aber man soll sich in sie hineinfühlen können.
Schiefer: Wie haben Sie den Rhythmus dieses Films, den ich als eine Art Anti-Action-Film sehe, gestaltet?
Lukacs: Mein Plan war, mehr One-Takes in den Film einzubauen. Es war schließlich nicht möglich, dies durchzuziehen, weil der Film zu lange geworden wäre. Die Schnittarbeit hat mich selbst immer wieder überrascht, da der Film immer kürzer wurde. Ich glaube, dass er nun ein sehr gutes Tempo hat, weil er sehr dicht und schnell ist. Ich wollte einen Film machen, der einen von Beginn an packt und einen am Ende wieder hinauswirft.












