Echo Park
Echo Park, das ist der Inbegriff geplatzter Hollywood-Träume. Ein schäbiger Vorort von Los Angeles, in dem sich diejenigen treffen, die im amerikanischen Traum vom Tellerwäscher zum Millionär in der Spülküche stecken geblieben sind. Kellnerin May, Pizzalieferant Jonathan und den Österreicher August verbindet dieser geplatzte Traum. Und sie geben ihr Möglichstes, aus ihrer Situation das Beste zu machen. ,ECHO PARK‘ ist eine österreichischamerikanische Ko-Produktion aus den Achtzigern, die gekonnt gewitzt den American Dream auf die Schippe nimmt und mit viel Tiefe und Mitgefühl ihre Figuren liebenswert und menschlich macht.
„Entwaffnend komisch.“ THE NEW YORK TIMES
Susan Dey, Michael Bowen, Shirley Jo Finney, Tom Hulce, Christopher Walker, Heinrich Schweiger, Richard
Marin, John Paragon, Cassandra Peterson, Timothy Carey u.v.m.

Im Schatten der Alpen
Am Rand der Traumfabrik: „Echo Park“
Claudia Slanar*
Echo Park ist ein hauptsächlich von mexikanischen Einwanderern bewohnter Stadtteil von Los Angeles, der sich zwischen dem Stadion der LA Dodgers und der Skyline von Downtown erstreckt. Die Wohnungen sind halbwegs leistbar, der Glamour Hollywoods weit weg, weshalb sich in den letzten Jahren eine alternative Musik- und Kunstszene angesiedelt hat.
Von alldem ist im gleichnamigen Film von Robert Dornhelm aus dem Jahre 1986 noch kaum etwas zu spüren: Echo Park, wenngleich als Stadtteil etabliert, ist eher Synonym für den Traum seiner Protagonisten vom großen Durchbruch. Mae möchte Schauspielerin sein, verdient jedoch ihren Lebensunterhalt als Kellnerin und mit der Vermietung eines Zimmers ihrer Wohnung, die sie mit Sohn Henry teilt. Ihr Nachbar August, Schwarzenegger- Nacheiferer aus Österreich, will sich und sein Bodybuildingstudio mit krausen Theorien über manipulierbare Star-Energie berühmt machen. Jonathan, ein Pizzabote, schreibt eigentlich Songs und mietet schließlich Maes Zimmer. Die Tage vergehen, neue Hoffnungen, privat wie im Job, tun sich auf, werden enttäuscht, das Leben geht weiter . . .
So skurril die Charaktere wirken sollen – ergänzt etwa um einen philosophierenden Pizzabäcker oder einen schleimig-hilfsbereiten Striptease- Agentur-Besitzer, der Mae ihren ersten Job im „Business“ vermittelt –, so lakonisch- flüchtig ist die Schilderung der Ereignisse in Dornhelms Erstlingsfilm.
„,Echo Park‘, wenngleich als Stadtteil etabliert, ist eher Synonym für den Traum seiner Protagonisten vom großen Durchbruch.“
Los Angeles selbst ist meist nur in kurzen Ausschnitten sichtbar, die sich von den üblichen Klischeebildern der Stadt abheben, doch manchmal zu offensichtlich die abgefuckte „Neighbourhood“ zelebrieren. Staubige Straßen, verwilderte Vorgärten, schnell zusammengezimmerte Holzarchitekturen und unrenovierte Wohnhäuser vermitteln das Bild einer Wüstenstadt, die ebenso irgendwo in Idaho, Arizona oder Texas liegen könnte. Echo Park ist ein seltsames Hybrid aus Hollywood-Mainstream und alternativem Low-Budget- Kinoentwurf, aus der Verwendung gängiger Stereotype und dem Versuch eines Generationenporträts.
Das gelingt auf jeden Fall mit den ausgewählten Schauspielern: Susan Dey (Mae), ehemals Mitglied der berühmten Partridge Family, sollte bald darauf mit LA Law zu neuer Berühmtheit gelangen; Tom Hulce (Jonathan), in seiner ersten Filmrolle nach Amadeus, geriet wieder in Vergessenheit, und Michael Bowen (August) machte als bewährter Seriendarsteller weiter.
Seine österreichischen Wurzeln kann Echo Park nicht verleugnen: Augusts tatsächliche Träume, oder: sein Trauma besteht in der Furcht, als Nachfolger in die Fleischhauerei seines Vaters ins idyllische Heimatdorf zurückkehren zu müssen. Als jener am Ende des Films albtraumgleich tatsächlich in Los Angeles auftaucht, verschwimmen die Traumbilder – und Echo Park ist gänzlich unvermittelt eine Berglandschaft in den österreichischen Alpen.
*Freie Autorin, Kuratorin und Kunstvermittlerin (Film/Bildende Kunst).
Entwaffnend komisch.
THE NEW YORK TIMES
Überleben trotz/mit Stars
Robert Dornhelm im Porträt*
Doris Priesching
Eine echte Überraschung ist der Emmy an Robert Dornhelm zumindest auf den ersten Blick nicht. Seine TV-Serie Anne Frank – The Whole Story war nicht weniger als elfmal nominiert, und gemessen an der internationalen Resonanz seines Gesamtwerks war die Auszeichnung ohnehin längst überfällig: Robert Dornhelm gewann als erster Österreicher den begehrtesten Fernsehpreis der USA in der Kategorie „Kurzserien“.
„Angenehm unamerikanisch“, beschreibt ihn die Journalistin Melissa Müller, auf deren 1998 erschienener Biografie die aktuelle Verfilmung der Geschichte von Anne Frank beruht und die deren ganzes Leben – somit auch die letzten Monate im KZ Bergen- Belsen – beinhaltet.
Weiters ist der in Malibu lebende Wahlamerikaner wiederum gar kein gebürtiger Österreicher. Dornhelm wurde am 17. Dezember 1947 im rumänischen Timişoara geboren und emigrierte als 13-Jähriger mit seinen Eltern wegen des Ceauşescu- Regimes nach Wien, wo er später die Filmakademie besuchte. Das Studium gab er jedoch bald auf, um sich dem Dokumentarfilm zu widmen. Im Auftrag des ORF entstanden Künstlerporträts und sozialkritische Dokumentationen.
Mitte der Siebzigerjahre konnte Dornhelm bereits die erste Oscar-Nominierung verbuchen: Für den Ballettfilm Kinder der Theaterstraße mit Monacos Landesfürstin Gracia Patricia alias Grace Kelly als Kommentatorin. Seither hat es sich der Regisseur zum Prinzip gemacht, seine Filme mit großen Namen zu besetzen.
Er ist überzeugt: „Je internationaler man einen Film anlegt, desto größer sind die Chancen, erfolgreich zu sein.“ Nach Kinder der Theaterstraße und einer Durststrecke von acht Jahren gelang Dornhelm 1985 mit Echo Park – eine der Hauptrollen spielte etwa der damals mit Amadeus erfolgreiche US-Star Tom Hulce – der Durchbruch.
Auch Dornhelms letzter Kinofilm, Der Unfisch, aus dem Jahr 1997 mit Maria Schrader – nach einem Drehbuch von Michael Köhlmeier – wurde von der Kritik gut angenommen. Seither pendelt der Regisseur weiterhin zwischen Hollywood und Wien. Für das 1999 gedrehte und in Österreich koproduzierte Episodenstück The Venice Project etwa konnte er neben Dennis Hopper für Kurzauftritte auch Lauren Bacall gewinnen, vor der ihn die Agentin ausdrücklich warnte: „On a good day, she’s a bitch.“ Er habe, so Dornhelm stoisch, „auch das überlebt“.
Das Rezept, wie es ihm gelingt, die prominenten Schauspieler ohne die dafür normal üblichen Gagen für seine Filme zu engagieren, klingt einfach: „Wenn die Leute spüren, dass es ein Projekt gibt, wo es nicht in erster Linie darum geht, Geld zu machen, sondern darum, eine Idee zu verwirklichen, kriegt man sie auch für wenig Honorar.“
*Standard-„Kopf des Tages“ vom 6. 11. 2001 anlässlich der Verleihung des renommierten US-Fernsehpreises Emmy (Kategorie: „beste Miniserie“) an den Regisseur










