Im weissen Rössl
Wenn im Weissen Rössl Hochbetrieb herrscht, ist es an Oberkellner Leopold, die Gäste mit gutem Zureden und einem launigen Lied auf den Lippen vom Chaos abzulenken. Nur die Liebe zu seiner Chefin Josepha ist seine Schwachstelle, denn die will davon nichts wissen … Wer braucht Dean Martin und Jerry Lewis, wenn man beide in einer Person haben kann? Peter Alexander ist nicht nur gewiefter Charmeur, Womanizer und Gesangstalent, sondern zeigt auch in brenzligen Situationen ein herrliches Gefühl für Körperkomik: Selbst auf Wasserskiern macht er eine tolle Figur. Ein Paradebeispiel für eskapistisches, buntes Heile-Welt-Kino. (Florian Widegger)
„Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden.“
Peter Alexander als Oberkellner Leopold
Waltraud Haas, Peter Alexander, Adrian Hoven uvm.
ÜBER DEN FILM
Bonus Track: Michael Niavarani über "Im weissen Rössl"
Kurator Florian Widegger über "Im weissen Rössl"

Das anbetungswürdige Cheferl
Zu Werner Jacobs Kult-Komödie Im weissen Rössl mit Peter Alexander als Liebeskasperl
Bert Rebhandl*
Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein!“ Der Text zu einer Melodie aus einem Singspiel von Ralph Benatzky ist Programm für die Komödie Im weissen Rössl von Werner Jacobs. In dem gleichnamigen Hotel am Wolfgangsee ist „schon der Kaiser“ abgestiegen, die Vorlage spielt noch in der Monarchie, wie auch eine nur wenige Jahre ältere Verfilmung durch Willi Forst. Doch nun, 15 Jahre nach dem Krieg, war der Tourismus eindeutig schon eine Sache der Moderne. Der Kaiser kommt nur noch mit einem Namensgag, der Dampfer ist nach ihm benannt, mit dem eine Gruppe von Gästen anlegt, die für ein Essen im Weissen Rössl nur dreißig Minuten Zeit hat: Tempo, Tempo! Avanti, avanti!
Auch wenn es schnell gehen muss, der Oberkellner Leopold Brandmeyer schupft das alles mit links. Am linken Unterarm trägt er nämlich immer das weiße Tuch, das für seinen Beruf das Erkennungszeichen ist. Leopold hält der Wirtin den Rücken frei und macht auch kein Geheimnis daraus, dass er für eine größere Rolle bereit wäre: für den Platz an der Seite von Josefa Vogelhuber, die er als Seferl, als Peperl, als Cheferl anbetet. Sie ist für seine Avancen aber nicht empfänglich, auch wenn er (oder vielleicht gerade weil er?) ein „lieber, netter Kerl“ ist. Peter Alexander spielt den Leopold als einen Liebeskasperl, von dem man eigentlich wissen könnte, dass man so nicht leicht zu einem Happy End kommt: Slapstick ist ja die Kunst, immer vorher noch einmal auszurutschen.
Der Regisseur Werner Jacobs, der ein Jahr später auch für den anderen touristischen Österreich-Mythos, für das Mariandl aus dem Wachauerlandl, den definitiven Film machen sollte, ging mit seiner Version von Im weissen Rössl in die Vollen: drei Verlobungen, jede Menge Verwicklungen und viele effektvolle Einlagen. So muss Leopold einmal sogar, das Tablett auf dem linken Arm, auf die Wasserskier, und mit Hilfe eines Sonnenschirms erhebt er sich in die Lüfte! Kein Wunder, dass er danach kurz „verkühlt“ ist, während Cheferl sich immer noch Hoffnungen auf den Doktor Siedler aus Berlin macht, einen braungebrannten Schönling, der im Sportwagen ankommt und sofort für die jüngere Brigitte Giesecke (Karin Dor) entflammt.
Im Laufe der Verwicklungen werden alle prominenten Schauplätze abgeklappert, mit der Dampfbahn geht es auf die Schafbergalm, im Steireranzug hinüber zum Seeschlösschen. Männer reisen auffällig häufig mit ihren Töchtern, als wollten sie diese als Heiratskandidatinnen ausführen und zugleich immer nahe bei sich behalten. Selbst ein Insektenforscher namens Hinzelmann, der sehr gegen den „Moloch Profit“ ist, hat sein Klärchen dabei, und dieses gerät ausgerechnet an die spektakulärste Actionfigur: an Sigismund Sülzheimer („Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist?!“), der mit dem Hubschrauber vor dem Hotel landet und auch bereits die Drohnenzustellung von Gepäckstücken vorwegnimmt! Doch Sigismund hat eine Schwachstelle – er trägt ein Toupet, das der Wind bei einem Feuerwehrfest in eine Tuba verweht.
Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden.
PETER ALEXANDER ALS OBERKELLNER LEOPOLD
Ursprünglich war Im weissen Rössl ein Stück leichte Muse, ein heiteres Unterhaltungskunstwerk. Werner Jacobs aber tut alles, um das, was er im Singspiel oder in der Operette vorfand, aufzupeppen, sodass der Filmtitel auch ohne Weiteres Moderne Zeiten am Wolfgangsee hätte lauten können. Das hätte sich aber nicht so gut verkauft. Peter Alexander mit seiner bezwingenden Stimme geht in seiner Rolle ganz schön weit in Richtung Dusselkomödie. Es ist eigentlich nicht verwunderlich, dass die Wirtin in ihm keinen für sie adäquaten Mann sieht. Bloß gibt es in dem zahlreichen Personal des Films zwar noch viele andere Mannsbilder, die allerdings noch inadäquater sind – und zum Programm von Komödien wie Im weissen Rössl gehört nun einmal, dass die unverheiratete Frau von ihrem Schicksal erlöst werden muss.
Waltraut Haas als Wirtin hat zwar eine kurze halbtragische Anwandlung, als sie dem Leopold mit den Worten „Es ist amol im Leben so“ die berufliche und persönliche Trennung ausspricht – dabei sind sie zu diesem Zeitpunkt ja noch gar nicht zusammen und überhaupt nicht so eindeutig füreinander bestimmt, wie man glauben würde. Die Josefa von Waltraut Haas bleibt ein wenig der blinde Fleck in dem Trubel, den Werner Jacobs veranstaltet. Selbst der Piccolo Franzl wird irgendwann nervös: „Man kann doch diese Weiber behandeln, wie man will, es ist immer falsch.“
Komödien funktionieren nun mal so, dass man viel falsch machen muss, um am Ende richtigzuliegen. Leopold denkt dabei sogar an einen Bettvorleger, auch als solchen könnte er sich seine Rolle bei Josefa vorstellen. Devot ist er aber nur in flüchtigen Fantasien, im wirklichen Leben hält er den „Sauhaufen“ zusammen, der entsteht, wenn er nicht der Oberkellner ist. Selbst im glücklichen Finale bleiben das Private und das Berufliche eng verbunden: „Wir sind der Chef“, das ist auch die Formel für eine Hochzeit, die eben schon ganz im Zeichen einer national konstitutiven Branche steht. Der „Zauber der Saison“ besteht nun einmal darin, dass „so ein Sommer Geld wie Heu bringt“.
* ist Filmkritiker und Autor in Berlin.










