Perla
Der Österreichische Film
Edition#410

Perla

Alexandra Makarová /// 2025 /// Drama

108 min • Altersfreigabe: 6 • HD
Sprache: Deutsch, Slowakisch, Russisch

Wien, 1981. Perla (Rebeka Poláková), lebt als Malerin und alleinerziehende Mutter im Wiener Exil. Seit ihrer Flucht aus der Tschechoslowakei kämpft sie für ein freies, selbstbestimmtes Leben und die Zukunft ihrer Tochter. Ihr gemeinsames Leben an der Seite ihres neuen Partners (Simon Schwarz) gerät in Gefahr, als ihr ehemaliger Lebensgefährte Andrej sie nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis kontaktiert und sie vor einer gefährlichen Entscheidung steht: Soll sie in die kommunistische Tschechoslowakei reisen und damit das Risiko eingehen, ihre hart erkämpfte Zukunft und die ihrer Tochter aufs Spiel zu setzen? Mit PERLA schafft die Regisseurin Alexandra Makarová ein intensives, emotional vielschichtiges, vielfach prämiertes Drama, das trotz seiner Verankerung vor und hinter dem Eisernen Vorhang der frühen 1980er-Jahre weit über eine historische Erzählung hinausgeht.

„PERLA ist ein erzählerisches Meisterwerk und wechselt gekonnt zwischen sozialkritischem Kommentar und packender emotionaler Erzählung.“

LOUD AND CLEAR

ÖSTERREICHISCHER FILMPREIS 2026 für BESTER SPIELFILM, BESTE MÄNNLICHE HAUPTROLLE (Simon Schwarz), BESTE KAMERA, BESTES KOSTÜMBILD, BESTES MASKENBILD, BESTES SZENENBILD, BESTE MUSIK, BESTE TONGESTALTUNG

Ausgezeichnet mit dem WIENER FILMPREIS bei der VIENNALE 2025.

Besetzung  

Rebeka Polakova , Simon Schwarz, Noel Czuczor, Carmen Diego u.v.m.

Regie  

Alexandra Makarová
Drehbuch  

Alexandra Makarová
Kamera  

Georg Weiss

Österreichisches Kino im besten Sinne

Zu Alexandra Makarovás Historien- und Exil-Drama Perla

Julia Pühringer*


Wien, Anfang der 1980er-Jahre: Die Malerin Perla lebt hier mit ihrer Tochter Julia im Exil. Perla ist vor Jahren aus der Tschechoslowakei nach Wien geflohen, Julia ist bereits eine begnadete Pianistin. Perla lernt Josef kennen, als ihm seine Lebensgefährtin Claudia, gespielt von Hilde Dalik, ein Bild von ihr zum Geburtstag schenkt. Perla und Josef kommen zusammen – es ist eine schöne, große, lustige, magische Liebe.

1981 stört ein Anruf die Idylle: Andrej (Noël Czuczor) ist am Telefon – Perlas ehemaliger Partner und der Vater Julias (Carmen Diego). Der Dissident wurde aus dem Gefängnis entlassen, todkrank ist er, sagt er, einmal noch möchte er Perla sehen. Die Erinnerungen an die Flucht und ihre hässlichen Begleitumstände kommen zurück. All die endlich gewonnene Sicherheit gerät ins Wanken. Perla will nicht über die Vergangenheit sprechen, bricht aber trotzdem mit Julia und Josef nach Košice auf. Mit Josef ist sie inzwischen verheiratet. Verhilft ihr das dazu, gefahrlos ein- und wieder ausreisen zu können, oder wird ihre Rolle in der Vergangenheit erkannt?

Perla trifft eine Entscheidung, die sie nicht mehr rückgängig machen kann und schickt Mann und Tochter nach Wien zurück. Die Geschichte mit Andrej ist durch ihr erzwungenes Ende noch nicht zu Ende erzählt. Perla tut, was sie tun muss, ohne Rücksicht auf die anderen. Sie kann selbst auf sich aufpassen. Sie musste immer selbst auf sich aufpassen.

Drehbuchautorin und Regisseurin Alexandra Makarová, deren Debüt Zerschlag mein Herz aus dem Jahr 2018 von in Wien bettelnden slowakischen Roma handelte, zog selbst erst im Alter von sechs Jahren zu ihrer Mutter, einer Malerin, nach Wien. Ihr Film porträtiert eine Heldin, deren Leben simple Maßstäbe der Moral auf den Kopf stellt, auf den Kopf stellen muss, weil ihr Leben in jenes vor und nach der Flucht zerrissen ist – eine Frau, die ihren Weg geht, ohne jemanden zu fragen.

Ihr Film ist österreichisches Kino im besten Sinne, eines, das sich für die Geschichte dieses Vielvölkerstaats und der ihn beeinflussenden Zeitgeschichte der Nachbarländer interessiert, mit Figuren, die mitten aus dem Leben gerissen sind, in all ihrer Widersprüchlichkeit. Perla brennt für seine Hauptfigur, erzählt eine echte Frau mit Ecken und Kanten, einer ganz eigenen Geschichte und Haltung. Makarová interessiert sich für Mutterschaft, ihre Zuschreibungen, aber auch ihre Realitäten.

Perla besticht nicht nur durch Rebeka Poláková als Titelfigur und Simon Schwarz als Josef, sondern auch durch die Kostüme von Monika Buttinger, die die Geschichte in der Vergangenheit verorten, ohne Fremdheit oder Retro-Kitsch zu erzeugen, ebenso wenig wie der gelungene Soundtrack. Es ist ein heftiger Film, aber auch ein zärtlicher. Er gewann unter anderem den Wiener Filmpreis, drei Diagonale-Preise, darunter den Publikumspreis, sowie acht Mal beim Österreichischen Filmpreis 2026.


* ist Filmkuratorin und -publizistin.




PERLA ist ein erzählerisches Meisterwerk und wechselt gekonnt zwischen sozialkritischem Kommentar und packender emotionaler Erzählung.


LOUD AND CLEAR

Perla ist ein bestechendes Drama über staatliche Gewalt und Mutterschaft

Alexandra Makarovás fesselnde Charakterstudie folgt einer slowakischen Künstlerin und Mutter, die 1981 eine gefährliche Reise hinter den Eisernen Vorhang wagt.


Wenn die eigene Kindheit schön war, dann ist das Zuhause oft ein Sehnsuchtsort. Kommt man dann als Erwachsener zurück, bemerkt man sie erst: die Trostlosigkeit, Engstirnigkeit und Gestrigkeit so mancher Daheimgebliebener. Dann ist es gut, wenn man wieder zurückkann in die Wahlheimat. Aber für Perla, die Protagonistin des gleichnamigen Films, ist das nicht so einfach.

Regisseurin Alexandra Makarová erzählt in ihrem mehrfach ausgezeichneten Drama von der Zerrissenheit zwischen Weggehen und Dableiben einer jungen slowakischen Mutter und Künstlerin. Fürs Weggehen hat sich Perla (Rebeka Poláková) schon einmal entschieden: 1968, als die sowjetischen Panzer in der Tschechoslowakei einrollten, wagte sie gemeinsam mit ihrem Mann Andrej (Noël Czuczor) die Flucht. Sie schaffte es, trotz traumatischer Erfahrungen. Er musste bleiben und wurde weggesperrt.

Ankommen im Exil

Ein Jahrzehnt später lebt Perla in Wien, gemeinsam mit ihrer zehnjährigen Tochter Julia. Gerade erst beginnt es gut zu laufen für die Exil-Künstlerin. Sie lernt einen netten Mann kennen und hat eine Ausstellung in New York in Aussicht. Da erreicht sie eine Nachricht ihres Ex-Mannes. Andrej möchte sie und die gemeinsame Tochter ein letztes Mal sehen, da er, wie er sagt, todkrank ist.

Widerwillig macht sich die Wiener Familie, Perla und Josef (Simon Schwarz) sind mittlerweile verheiratet, auf den Weg nach Košice. Unter der ständigen Gefahr, dass Perla trotz Ehe und österreichischen Passes als Dissidentin erkannt und verraten wird. In die politisch heikle Situation mischt sich auch das Drama einer Heimkehrerin. Perla schlingt die Mohnnudeln hinunter, als gäbe es kein Morgen. Manches von dem, was sie in ihrem Geburtsland sieht, gefällt ihr. Auch Andrej, was Josefs Eifersucht anzapft. „Du verhältst dich, als würdest du erwischt werden wollen“, wirft er zunehmend wütend seiner Frau vor.

Mutter und Frau sein

Die Konflikte spitzen sich zu, bis Perla sich entschließt, Josef und ihre Tochter nach Wien zurückfahren zu lassen. Sie möchte die Asche ihrer Eltern aus ihrem Geburtsort holen. Natürlich ist das auch ein Vorwand, mit Andrej einmal allein zu sein. Doch ihre gefühligen Vorstellungen kollidieren mit der Wirklichkeit eines totalitären Systems und patriarchaler Bräuche.

Der Film der 1985 in Košice geborenen und in Wien aufgewachsenen Regisseurin besticht durch biografische Wärme. Perla ist Makarovás Mutter, einer Künstlerin, nachempfunden. Und so geht es in dem beklemmend schönen Drama auch um den ambivalenten Grat zwischen Mutterschaft und Frau-Sein. (Valerie Dirk, 11.4.2025)

 

Vollständige Kritik hier: "Perla" ist ein bestechendes Drama über staatliche Gewalt und Mutterschaft - Film - derStandard.at › Kultur